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Bitcoin und das Timing-Risiko: Wenn wenige Tage über die Rendite entscheiden

21Nexus

25.09.2026 · 09:40 Uhr

Bei Bitcoin ist nicht nur die Volatilität hoch, sondern auch die zeitliche Konzentration der Rendite. Eine Auswertung seit 2017 zeigt, wie stark wenige Handelstage das Ergebnis prägen und warum sich gute und schlechte Extremtage kaum voneinander trennen lassen.

Aus dem Aktienmarkt ist das Argument bekannt: Wer die besten Handelstage verpasst, verliert einen großen Teil der Rendite. Wir haben untersucht, wie stark dieser Effekt bei Bitcoin ausfällt. Grundlage sind die täglichen Schlusskurse vom 25. März 2017 bis zum 25. September 2026. Für jedes Kalenderjahr wurden separat die fünf stärksten und die fünf schwächsten Handelstage herausgerechnet. An diesen Tagen wird eine Rendite von null unterstellt. Über den gesamten Zeitraum betrifft das rund 50 von knapp 3.500 Handelstagen je Seite.

Die Rendite entsteht nicht gleichmäßig

Im Untersuchungszeitraum stieg Bitcoin um rund 8.600 Prozent, das entspricht etwa 60 Prozent p.a. Fehlen in jedem Jahr die fünf stärksten Tage, bleibt ein Verlust von 66 Prozent. Weniger als zwei Prozent der Handelstage machen in dieser Betrachtung den Unterschied zwischen einer Vervielfachung und einem Kapitalverlust. In einzelnen Jahren dreht sich sogar das Vorzeichen: 2019 wird aus einem Plus von 94 Prozent ein leichtes Minus, 2021 aus plus 59 Prozent ein Verlust von 12 Prozent. Da die Tage im Nachhinein ausgewählt werden, beschreibt die Rechnung keine umsetzbare Strategie. Sie zeigt aber, wie konzentriert die Rendite entsteht.

Gute und schlechte Tage gehören zusammen

Die Gegenrechnung ist ebenso aufschlussreich. Wer in jedem Jahr die fünf schwächsten Tage meidet, erzielt rechnerisch Renditen, die jede Buy-and-Hold-Strategie weit übertreffen. Fehlen beide Seiten, liegt das Ergebnis mit rund 9.400 Prozent dagegen nahe am einfachen Halten. Der leichte Vorsprung ist kein Timing-Erfolg. Die herausgenommenen starken Tage wiegen sogar etwas schwerer als die schwachen, im Durchschnitt bringt jeder verbleibende Tag also etwas weniger Rendite. Dass am Ende dennoch mehr übrig bleibt, liegt an der geringeren Schwankung. Starke Ausschläge kosten beim Zinseszins Rendite, denn nach einem Minus von 50 Prozent braucht es ein Plus von 100 Prozent, nur um wieder auf dem Ausgangsniveau zu stehen. Je ruhiger der Verlauf, desto kleiner dieser Verlust, der als Volatility Drag bezeichnet wird.

Entscheidend ist, dass sich die beiden Gruppen zeitlich kaum trennen lassen. Bei 16 der 50 schwächsten Tage lag einer der stärksten Tage desselben Jahres nicht mehr als fünf Kalendertage entfernt. Wären die schwächsten Tage zufällig über das jeweilige Jahr verteilt, wären rund sechs solcher Fälle zu erwarten. In 5.000 Simulationen mit zufälliger Verteilung wurde der beobachtete Wert kein einziges Mal erreicht. In neun von zehn Jahren findet sich mindestens ein solches Paar. Auf den Einbruch vom 12. März 2020 folgte die stärkste Gegenbewegung schon am nächsten Tag. Ähnlich eng lagen die Extreme beim Zusammenbruch von FTX im November 2022 und beim Ausverkauf Anfang August 2024, der mit dem Abbau von Yen-Carry-Trades einherging. Damit liegen die Tage, die Anleger vermeiden möchten, häufig zeitlich nahe an genau den Tagen, die für die langfristige Rendite besonders wichtig sind.

Volatilität meiden heißt nicht Risiko reduzieren

Wer nach starken Verlusten taktisch aussteigt, reduziert damit nicht nur das Marktrisiko. Er geht zusätzlich ein Timing-Risiko ein, nämlich die Gefahr, nur eine Seite eines Volatilitätsereignisses mitzunehmen. Die Daten zeigen, dass gerade diese Asymmetrie teuer ist. Es wäre wertvoll, die schlechten Tage zu vermeiden. Sie treten aber zu eng verbunden mit den guten auf, als dass sich das verlässlich umsetzen ließe.

Die Konsequenz liegt in der Portfoliokonstruktion

Für die Portfoliokonstruktion ist das kein Plädoyer für Buy-and-Hold um jeden Preis. Es ist vielmehr ein Argument dafür, Markt- und Timingrisiko voneinander zu unterscheiden. Bei einem Asset, dessen Rendite sich stark auf wenige Handelstage konzentriert, spricht deshalb viel dafür, das Risiko primär über Positionsgröße, Risikobudget und definierte Rebalancing-Regeln zu steuern, statt auf das Treffen einzelner Ein- und Ausstiegspunkte angewiesen zu sein.

 

Methodik: INDEX:BTCUSD (TradingView), Tagesschlusskurse 25.03.2017 bis 25.09.2026. Je Kalenderjahr wurden die fünf stärksten und fünf schwächsten Tagesrenditen ex post bestimmt und mit einer Rendite von null angesetzt. Häufungstest: Permutation der schwächsten Tage innerhalb des jeweiligen Kalenderjahres, 5.000 Durchläufe, empirisch p < 0,001. Ohne Kosten, Steuern und Verzinsung der Liquidität. Die Ergebnisse vergangener Perioden sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen.


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